Die Chronik des Skiverbandes Frankenjura

Vom Fränkischen Schneeschuhbund zum Skiverband Frankenjura
Skilauf in Franken - einst und jetzt

Einleitung

Der Skiverband Frankenjura ist 1997 fünfundsiebzig Jahre alt. Ein stolzes Jubiläum! Doch mehr als 100 Jahre sind es her, seit der erste Franke auf Skiern stand und das sportliche Leben im Land der wanderfrohen Franken durch die Einführung des Skilaufs eine wertvolle Bereicherung erfuhr. Es waren naturbegeisterte, tatkräftige und sportfreudige Männer und Frauen, die den Grundstock zu einem Sport legten, der heute einen hohen Grad an Volkstümlichkeit erreicht hat.
Skilauf ist Volkssport geworden. Nicht nur in sportlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind jene Männer und Frauen Wegbereiter gewesen; brachte der Skisport doch auch in weiten Teilen Frankens Existenz, ja sogar Wohlstand. Die heute erkannte große Bedeutung des Sports, also auch des Skisports, für die Volksgesundheit konnte man damals allenfalls ahnen.
Diese Zeilen sollen Dank und Anerkennung für alle Pioniere, Helfer, Förderer und natürlich auch die vielen Wettkämpfer ausdrücken. Sie alle haben eine erfolgreiche Entwicklung des Skilaufs in Franken ermöglicht.

Die Anfänge

Im Winter 1890/91 zieht der erste Skiläufer Frankens seine Spuren in den Schnee, etwa gleichzeitig mit der Einführung des Skilaufs in Südbayern, Schwarzwald und Thüringen; der Harz und das Riesengebirge waren einige Jahre vorausgeeilt. Es ist Herr Georg Lades aus Roth, der seine Schneeschuhe in der Eisenhandlung Ammon & Caspart in Nürnberg zum Preis von 21 Mark erworben hatte. Nicht lange behält er sein Gerät. Die Schneearmut in diesem Gebiet sowie die fehlende skiläuferische Anleitung veranlassen ihn, die Ski an einen Verwandten abzugeben, der sie mit nach Freiburg nimmt. Vielleicht haben sie im Schwarzwald zur Verbreitung des Skilaufs beigetragen.
Noch im gleichen Winter machen fünf Turner des MTV Nürnberg ihre ersten Gehversuche mit Schneeschuhen, die der Nürnberger Schreinermeister Velten aus der Flaschenhofstraße anfertigte, in der Nähe des Zollhauses. Der zweite Ausflug geht nach Altenfurt und wagen die fünf Turner ihre erste große Tour: Von Hersbruck über Kirchensittenbach nach Hohenstein und Rupprechtstegen wo sie überall gro§es Aufsehen erregen. Der Anfang ist gemacht. Im Winter 1892/93 macht erstmals der verdienstvolle fränkische Skipionier Hans Stauffer von sich reden. Mit einem Paar echter "Norweger", die zuvor als Wandschmuck in einem nordländischen Konsulat ihr Dasein fristeten, übt er vor den Toren Nürnbergs und bei Hubmersberg. Hubmersberg ist somit der erste Wintersportort Frankens.
Auf der Suche nach schneereichen Gebieten wird im Winter 1893/94 das Fichtelgebirge "entdeckt". Mit dem Berliner Nachtschnellzug geht es kurz nach Mitternacht nach Münchberg. Noch vor Tagesanbruch spurt man zum Waldstein hinauf und zum Schneeberg. Dann hinab nach Karches zu einer Brotzeit und über den Ochsenkopf nach Warmensteinach. Rund 24 Stunden sind die ersten winterlichen Entdecker des Fichtelgebirges unterwegs, bevor sie die Noris wieder erreichen. Im Winter 1895/96 wagt Hans Stauffer die erste Hochgebirgsfahrt ins Allgäu, dem beliebten Ziel fränkischer SkilŠufer in späteren Jahren. 1904/05 unternehmen Ramspeck und Engelhardt von der DAV-Sektion Nürnberg die Hochgebirgsfahrt von Cortina zum Fedajahaus und über das Sellajoch nach St.Ulrich. Immer mehr sport- und naturbegeisterte Franken, besonders aus Nürnberg und Fürther Alpenvereinssektionen und den Fichtelgebirgsorten Bischofsgrün und Warmensteinach greifen zu den Schneeschuhen.

Die Gründungsjahre

Nachdem im November 1905 der Deutsche und Österreichische Skiverband noch ohne Mitwirkung fränkischer Vereine gegründet wurde, tritt schließlich im Jahre 1907 der Skilauf in Franken aus seinen Kinderschuhen: Am 18.10.1907 gründet sich die "Schneeschuhabteilung der Alpenvereinssektion Nürnberg" als erster Zusammenschluß fränkischer Skiläufer. Der Verdienst dieser Abteilung um die Entwicklung des Skilaufs in Franken ist unumstritten. Noch im Folgenden Winter, am 9.02.1908, wird der erste Skisonderzug nach Warmensteinach organisiert, dem gro§e Schwierigkeiten bis zur Verwirklichung vorausgingen. Es sollte der erste einer langen fränkischen Tradition sein, die in den Folgejahren viele Skisonderzüge ins Fichtelgebirge, in den Bayerischen Wald, den Steinwald sowie in die Rhön führte.
Noch 1909 wird der erste Skikurs organisiert. Im gleichen Jahr wird der Skiclub Bischofsgrün gegründet. Im Winter 1910/11 erlebt Warmensteinach die erste sportliche Großveranstaltung mit internationaler Beteiligung. Der Norweger Thune markiert mit 21 Metern den ersten Schanzenrekord des Fichtelgebirges. Das Fichtelgebirge wird zum Zentrum des fränkischen Skilaufs.
Im Winter 1913/14 erfolgt die Umwandlung der "Schneeschuhabteilung der Alpenvereinssektion Nürnberg" in den "Fränkischen Skiclub" zur Verbreiterung der sportlichen Basis.
Bei der Gründungsversammlung des bayerischen Skiverbandes am 20.07.1914 sind die Vertreter des fränkischen Skilaufs: Fränkischer Skiclub Nürnberg, Wintersportabteilung des 1.FC Nürnberg und der WSV Bamberg. Der Nürnberger Fritz Kammerer wird zum 2.Vorsitzenden gewählt. Der erste Weltkrieg bringt eine jähe Unterbrechung der Aufwärtsentwicklung und macht viele Planungen zunichte. Viele fränkische Skiläufer bleiben im Feld. Dem Stillstand nach Kriegsende folgt aber um 1920 wieder ein rascher Aufschwung. Waren es vor dem Krieg Hunderte, so strömen jetzt Tausende zum Skilauf in die Frankenberge.
Immer mehr Vereine und Abteilungen gründen sich oder schließen sich enger zusammen. Nachdem 1921 der Fränkische Skiclub wieder als Abteilung zur DAV-Sektion Nürnberg zurückgekehrt ist, gründet sich als Nachfolger der "Verband Nürnberg-Fürther Skivereine". Ihm gehören an: Die Skiabteilungen der DAV-Sektion Nürnberg, Noris und Fürth, des 1.FC Nürnberg, des Schwimmerbundes Bayern 07 und des TV 1860 Fürth. Der weitere Zustrom von Skiläufern, welcher weit über den Bereich Nürnberg-Fürth hinausgeht, ist der Anlass, das bereits im Folgejahr, am 5.April 1922 der Fränkische Schneeschuhbund gegründet wird; ein großer Wendepunkt in der Geschichte des fränkischen Skilaufs. Die Leitung des Fränkischen Schneeschuhbundes übernimmt Bankrat Fritz Kammerer; die Geschäftsführung wird Fernando Solernou übertragen, der unter größten Arbeitseinsatz die Entwicklung vorantreibt. Noch im gleichen Jahr schließen sich verschiedene Vereine außerhalb Nürnbergs an; allen voran die im gleichen Jahr gegründete Abteilung Warmensteinach. Rasch schließt sich der FSB dem Bayerischen Skiverband an, nachdem zuvor auch eine "Blickrichtung" nach Thüringen bestand. Bereits 1926 haben sich 33 Vereine mit 2083 Mitgliedern Zusammengefunden.

Sportlicher Aufschwung

Seit 1923 werden jährlich fränkische Skimeisterschaften ausgerichtet; bis zu Ausbruch des zweiten Weltkrieges immer in Warmensteinach und Bischofsgrün. Den ersten Sprunghügeln folgen zahlreiche Schanzenneubauten in Warmensteinach, Bischofsgrün, Bad Steben, Mehlmeisel, Weissenstadt und schließlich im Jahre 1935 die Sprungschanze in Etzelwang. Sogar im Stadtgebiet von Nürnberg besteht eine kleine Schanzenanlage am Pulverseee und eine Beleuchtung ist an Abenden bei den Springen möglich.
Die Zahl der Wintersportzüge steigt steil an; in schneereichen Wintern bis zu 45 Züge, Manchmal 7 pro Sonntag. Skitourenkarten des Fichtelgebirges sowie Wetterdienst mit Nachrichtenstellen werden bereits 1926 als Service für die Skiläufer eingerichtet. 1929 wird sogar eine Skiunfallversicherung geschaffen. 1930 wird eine Skihütte im Allgäu fŸr die Jugend gemietet. Am 23.02.1936 wird erstmals die fränkische alpine Meisterschaft in Oberammergau durchgeführt; eine 40-jährige Tradition sollte sich hier anschließen. In den ersten beiden Kriegswintern finden letztmals fränkische Meisterschaften, allerdings nur im engeren jurafränkischen Bereich, in Oed, Haunritz und Unterachtel statt. 

Selbstständigkeit, Umbruch, Neuordnung

Das Jahr 1928 bringt den ersten Wechsel im Amt der Vorsitzenden; Fritz Kammerer übergibt an Hans Stauffer. Infolge der erreichten Größe des Fränkischen Schneeschuhbundes mit 54 Vereinen und 3545 Mitgliedern und des damit verbundenen gestärkten Selbstbewußtseins kommen erste Selbstständigkeitsbestrebungen auf, die schlie&szliglich am 20.02.1929 zum Austritt aus dem bayerischen Skiverband führen. Die Anerkennung als eigener Landesverband im Deutschen Skiverband wird von diesem zunächst abgelehnt, was zum Austritt des Fränkischen Schneeschuhbundes auch aus dem Deutschen Skiverband führt.
Am 18.10.1931 wird der Fränkische Schneeschuhbund doch wieder als eigener Landesverband in den Deutschen Skiverband aufgenommen. Das 10-jährige Jubiläum des Fränkischen Schneeschuhbundes wird in Nürnberg gefeiert. 1933 erfolgt die Eingliederung in den Reichsbund für Leibesübungen mit Auflösung des Fränkischen Schneeschuhbundes und Einteilung in die Gaue Franken, Ostmark, Nord- und Unterfranken, wobei die beiden erstgenannten zunächst noch gemeinsam weiterarbeiten. Die Unruhe dieser Jahre drückt sich auch in einem relativ raschen Wechsel in der Leitung des Fränkischen Schneeschuhbundes aus: Fritz Kammerer folgen 1928 Stauffer, 1929 Süppel, 1931 Haselmann und dann 1934 Jakob Kiefer, der die Geschicke des fränkischen Skilaufs nun längere Zeit leiten sollte. Die erfreuliche sportliche Entwicklung wird von dem raschen Führungswechsel nicht wesentlich beeinflusst.

Der Neubeginn, Skigau Frankenjura

Schon bald nach dem zweiten Weltkrieg regt sich trotz großer Not der Skisport; die Skiläufer sammeln sich. Der Wiederbeginn ist eng mit den Namen Kiefer, Sturm, Baierlein, Engelhardt, Schuler, Windsheimer verbunden. Im Herbst 1948 erfolgt dann die Wiedergründung unter den Namen Skigau Franken. Jedoch schon 1949 wird auf dem Verbandstag des Bayerischen Skiverbandes die Vorkriegsentwicklung nachvollzogen und der Skigau Franken in die Gaue Nordfranken und Frankenjura aufgeteilt., wobei die fränkischen nordischen Meisterschaften noch gemeinsam bis in das Jahr 1950 mit einer Gesamtwertung durchgeführt werden.
Jakob Kiefer wird wieder 1.Vorsitzender. Eine eigene Zeitschrift "Berg und Ski" sorgt für bessere Information der Vereine. Es wird bald erkannt, daß der westliche Teil Mittelfrankens schwer von Nürnberg aus zu betreuen ist. Unter der Leitung des Sportredakteurs Karl-Heinz Sessner wird der Bezirk "Hesselberg" 1952 ins Leben gerufen. Die Vereine Schillingsfürst, Rothenburg, Ansbach, Bechhofen und Feuchtwangen sind die tragenden Stützen. Skispringen auf den Sprungschanzen in Rothenburg und Ansbach gehören genauso zum sportlichen Terminkalender wie alpine und nordische Wettbewerbe. Im Jahr 1954 wird der Bezirk "Hesselberg" in den bis heute geltenden Namen "Skibezirk Westmittelfranken" umbenannt. Vorsitzender wird der schon überall bekannte und tätige Alois Kneissl. Nach 14-jähriger Tätigkeit wird er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Nachfolger sind Horst Krämer, Friedrich Bogendörfer, Oskar Straub und Helmut Eppelein.
Im Skigau Frankenjura wird nun die Ausbildung von Lehrwarten und Kampfrichtern verstärkt forciert. Die altbewährten Sonderzüge werden wieder organisiert. Im Jahre 1952 sind dem Skigau Frankenjura bereits wieder 48 Vereine mit ca. 4000 Mitgliedern angeschlossen.

Sportlicher Aufbau und Erfolge

Nach ersten bescheidenen Wettkämpfen im Winter 1947/48 werden schon im folgenden Jahr wieder regelmäßig Meisterschaften ausgerichtet. Die Alpinen fahren wieder nach Oberammergau; auch zum Training werden immer häufiger alpine Gefilde aufgesucht. Die Krönung der sportlichen Erfolge gelingt der Fürtherin Hannelore Franke vom TV Fürth 1860. 1950 gewinnt sie auf Anhieb den Spezialtorlauf in Kitzbühl, 1951 holt sie sich alle drei Titel der deutschen Jugendmeisterschaft und wird hinter Hilde Gärtner zweite in der deutschen Meisterschaft. 1952 schließlich ist sie mit 19 Jahren die "schneidigste Fahrerin Deutschlands" (Zitat der ausländischen Presse) und kann, erstmals seit Alfred Schwarzmann 1936, die Stadt Fürth und den Verein TV Fürth 1860 bei den Olympischen Spielen vertreten. Im olympischen Abfahrtslauf am Holmenkollen bei Oslo belegt sie den 10.Rang. Kurz darauf wird sie deutsche Meisterin in der Abfahrt und gehört nun über 5 Jahre lang zur internationalen Spitze im Skilauf. Sie gewinnt insgesamt vier deutsche Meisterschaften und kann auch 1956 an den olympischen Winterspielen in Cortina dËmpezzo teilnehmen. Ihr Erfolg basiert auf ihrem Aufenthalt an einer vorzüglichen Oberstdorfer Schule. Dort nahm sie der bekannte Skiläufer Goebel in hartes Training und brachte sie zu Christel Cranz, Guzzi Lantschner und Toni Selos, die der draufgängerischen Fürtherin alles für ihre sportliche Laufbahn beibrachten. Schon in den 50-ziger Jahren werden Skigymnastik in der herbstlichen Vorbereitung sowie Skikurse für jedermann angeboten. Die Aktiven und deren Vereine treffen sich auch beim sommerlichen Wettkampf; das Bergsportfest, anfangs im Hersbrucker Gebiet, ab 1957 immer in Neumarkt, ist lange Zeit eine fränkische Tradition geblieben.
Der Vollendung der Schanze am Rothenberg folgen weitere Schanzenneubauten in Artelshofen, Neumarkt und Rothenburg. Der fränkische Skisport hat sich organisatorisch und sportlich wieder etabliert und konsolidiert.
Nach über 20-jähriger - nur von den Kriegswirren unterbrochener - Tätigkeit legt Jakob Kiefer seinen Vorsitz nieder und übergibt sein Amt an Hans Harleß, der ebenfalls im fränkischen Skilauf von Anfang an mit dabei war. Mehrere Skifreunde sind im Verband auf bayerischer und deutscher Ebene tätig; Kiefer, König, Zischler, Stahl. Das Kampfrichterreferat unter Wieland sorgt für einen reibungslosen Ablauf der Sportveranstaltungen und stellt Kampfrichter zu nationalen und internationalen Veranstaltungen ab.

Wandel im Leistungssport

Die leistungssportliche Entwicklung in den sechziger Jahren mit immer höheren Trainingsanforderungen und Vorverlagerung des Trainingsbeginns in das Schüleralter hat auch Konsequenzen für die Verbandsarbeit. Die Ämter des Sport- und Jugendwartes müssen in einen alpinen und nordischen Bereich getrennt werden; von nun an kümmern sich 4 junge ehemalige Aktive um die leistungssportliche Entwicklung. Nach dieser Teilung waren die ersten Sportwarte: Paul Sturm alpin (ESV-West), Heinz Weeger nordisch (SC-Erlangen), und im Jugendbereich: Helmut Bäß alpin und Willi Moritz nordisch. Auch vor der engeren Gauverwaltung macht die Verjüngung nicht halt: 1968 löst Dr. Heynen aus Erlangen Hans Harleß im Amt des 1. Vorsitzenden ab, der ebenso wie sein Vorgänger Jakob Kiefer zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird. Die Hauptlast der Verwaltungsarbeiten tragen darüber hinaus weiterhin Julius Wieland und Georg Strauß als bewährter Schatzmeister. Die verstärkte Jugendarbeit zeigt Erfolge: 1972-74 werden im nordischen Bereich bei Schülerinnen und Schülern bayerische und deutsche Titel errungen. Trotzdem fordert das weiterhin steigende Niveau auch seinen Tribut. Die Tatsache unseres besonderen klimatisch-geographischen Standorts in Bayern als relativ alpenferner und schneearmer Gau macht sich zunehmend bemerkbar. Nur größte Trainingsanstrengungen lassen leistungssportlichen Anschluss nicht abreißen. Aber nicht in allen Sparten gelingt es so: so konnte in den siebziger Jahren die große Tradition im Skispringen und der Nordischen Kombination nicht mehr fortgeführt werden, die Schanzen verfallen; nur in Etzelwang ist sie noch in Betrieb. Auch der Abfahrtslauf kann als Meisterschaftsdisziplin und damit alpine Dreierkombination nicht erhalten werden.

Skiverband Frankenjura

Dieses Jahrzehnt beginnt mit einem großen Ereignis, dem 50-jährigen Jubiläum, welches am 10.Juni 1972 bei einem Ehrenabend viele fränkische Skifreunde und Gäste vereint. Aus diesem Anlaß findet auch an diesem Tag der Verbandstag des Bayerischen Skiverbandes in Nürnberg statt, wo der jurafränkische Vorsitzende Dr.Heynen zum stellvertretenden Vorsitzenden des Bayerischen Skiverbandes gewählt wird, worin sich sicher auch die Wertschätzung des fränkischen Skisports ausdrückt. Das freudige Ereignis des Jubiläums wird jedoch überschattet vom plötzlichen Tod Julius Wielands, wenige Tage zuvor. Kamerad Julius Wieland hat viele Jahre aufopferungsvoll für den fränkischen Skisport als stellvertretender Vorsitzender, Schriftführer und Kampfrichterobmann gearbeitet. Zu "Wielands-Gedächtnis" findet seither der alpine und nordische Eröffnungswettkampf statt.
Seit Wiederbeginn nach Kriegsende hat sich in den gut 20 Jahren bis 1972 die Zahl der Vereine und Mitglieder im Gau verdoppelt; damit wuchsen Aufgaben und Arbeit für die Verantwortlichen. 1974 übergibt Dr.Heynen die Leitung des Skigaus an Georg Zeltner, da die Doppelbelastung durch Gau und Bayerischen Skiverband neben anderen Aufgaben zuviel wurde. Im gleichen Jahr verläßt uns Jakob Kiefer für immer. Mit ihm sind viele Jahre fränkischer Skigeschichte verbunden. Zu seinen Gedenken stiftet sein Sohn einen Gedächtnispreis der seither an verdiente Sportler oder Funktionäre im Wechsel aus Oberfranken und Frankenjura - den Nachfolgern des Fränkischen Schneeschuhverbundes - vergeben wird.
1975 stirbt mit Hans Harleß ein weiterer Mann der ersten Stunde und ehemaliger Vorsitzender. Obwohl der Skigau Frankenjura eine Untergliederung des Bayerischen Skiverbandes ist, ließ die Größe des Gaues eine eigene Satzung notwendig werden. Diese wird nach Vorarbeiten von Robert Arnold 1976 verabschiedet. Gleichzeitig erfolgt die Umbenennung in Skiverband Frankenjura.
Zur Verbesserung der Kommunikation und Information wird noch im gleichen Jahr wieder eine Verbandszeitschrift, der "Franken-Ski" ins Leben gerufen, die seither ein- bis zweimal jährlich die Vereine und Mitglieder über das Verbandsgeschehen (Termine, Ausschreibungen, Ergebnisse sowie Aus-und Fortbildungen einschließlich aller Aktivitäten im Freizeit- und Breitensportbereich) informiert.
1978 tritt Schatzmeister Georg Strauß nach jahrzehntelanger zuverlässiger Verbandarbeit in den verdienten Ruhestand, und wird ebenso wie Skipionier Paul Sturm zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt. 1980 scheidet Dr.Heynen aus dem Vorstand des Bayerischen Skiverbandes aus. Der fränkische Skisport ist jedoch ein Jahr später wieder mit Gerhard Lang als dritten stellvertretenden Vorsitzenden vertreten, nachdem er zuvor schon das Referat Tourenwesen geleitet hat. Der Verband wächst weiter; im abgelaufenen Jahrzehnt 1972-82 hat sich die Zahl der Vereine nochmals um über ein Viertel auf mehr als 125 erhöht und die Mitgliederzahl auf rund 15000 mehr als verdoppelt! Um die Kommunikation und den Erfahrungsaustausch der Vereine untereinander weiter zu verbessern wird 1980 der Verband neben dem schon seit 1952 bestehenden Skibezirk-West in drei weitere locker organisierte Regionen, ohne eigene Vorstandschaft unterteilt: Nürnberg-Stadt, Nürnberg-Land und Roth, Fürth-Erlangen-Neustadt. Der heutige Umfang der Verbandsarbeit stößt bereits an die Grenze ehrenamtlich möglicher Tätigkeit, zumal viele Kameraden noch in Vereinen Aufgaben übernehmen. Nur durch klare Delegation einzelner Aufgabengebiete können innerhalb der jetzt auf 2 Stellvertreter erweiterten, engeren Vorstandschaft, die Verpflichtungen wahrgenommen werden. So ist verständlich, daß immer häufiger die Einrichtung einer Geschäftsstelle diskutiert wird.

Leistungssport - Freizeitsport

In den sechziger und siebziger Jahren hat sich sie intensive Jugendarbeit im alpinen Bereich durch Helmut Böß gelohnt. Zahlreiche fränkische Jugendliche aus vielen Vereinen holten sich Titelerfolge auf bayerischer und deutscher Ebene. Im Jahr 1975 geht mit der letzten alpinen Meisterschaft in Oberammergau eine gro§e Tradition zu Ende. Kelchsau in Tirol wird die neue Heimat der Alpinen, wo ab 1978 alle großen Verbandsveranstaltungen abgewickeltwerden. Das dortige für uns sehr geeignete Hanggelände wird mit allen Einrichtungen für die elektronische Zeitmessung und entsprechenden Ausbauten versehen und ermöglicht durch variable Start- und Zielpunkte verschiedene Streckenlängen und Schwierigkeitsgrade. Die Ausrichtung der Bayerischen Städtemeisterschaft 1981 honoriert diese Bemühungen.
Unsere Rennen werden auch als Punkterennen des Bayerischen Skiverbandes anerkannt. Die vom Frankenjura ausgehende Anregung im Bereich der nordbayerischen Gaue, alpine Vergleichswettkämpfe zu veranstalten, wird aufgegriffen und mit wechselnden Gauen als Ausrichter durchgeführt. Die nordischen Wettkämpfe und Meisterschaften werden nach wie vor im engeren jurafränkischen Raum ausgerichtet. Wie schon oft in früheren Jahren müssen wir auch heute in schneearmen Wintern nach Nordfranken oder in den Bayerwald ausweichen, wo wir immer wieder freundlich aufgenommen werden.

Freizeitsport


Lehrwesen Alpin

In den 50-iger Jahren bringt Rudi Zischler aus Neuhof an der Zenn, als Leiter für das Ausbildungswesen im Bayerischen Skiverband, die in St.Cristoph neu entwickelte "Arlbergtechnik" nach Bayern. Mit dieser enormen Pionierarbeit macht er sich verdient um den Skilauf in Bayern. 1972 übergibt er das Amt des Ausbildungsreferenten im BSV an Klaus Weber, Sonthofen, einen gebürtigen Schwabacher und Mitglied im DAV Schwabach. Er gründete das BSV-Lehrteam, in dem alle Gaue vertreten sind. Aus dem damaligen Skigau Frankenjura waren die ersten Mitglieder dieses BSV-Lehrteams Helmut Schmidt als Gau-Lehrwart und Helmut Böß als Ausbilder. Nach kurzer Ausbildung und Einarbeitung wird 1974 von Helmut Schmidt und Helmut Böß der erste eigenständige, mittelfränkische alpine &Uumlbungsleiterlehrgang mit 26 Teilnehmern im Kleinwalsertal auf der Hütte in Oberwestegg erfolgreich durchgeführt. 1975 beginnt eine lange Serie von alpinen Übungsleiterlehrgängen auf der Gerlosplatte, insbesondere in einer positiven Zusammenarbeit mit dem Skigau Werdenfels, dessen seinerzeitiger Gaulehrwart Erwin Vöst mit seinen Ausbildern und Teilnehmern aus dem Werdenfels zu einem stets guten Gelingen beitrugen. In der Folge von Erwin Vöst unterstützt auch der Gaulehrwart vom Allgäu, Horst Sugler als allseits beliebter und kooperativer Ausbilder mit seinen Allgäuern das Frankenjura-Ausbildungswesen. Nach dem Vorbild des BSV wird in den siebziger Jahren ein eigenes Lehrteam im SVF aufgebaut, das bis heute die Aus- und Fortbildungsarbeit von Übungsleitern für die mittelfränkischen Vereine leistet. In der Summe wurden fŸr die Vereine im SVF ca.1000 Übungsleiter alpin ausgebildet. Durch natürliche Veränderungen und aufgrund der aktuellen Fortbildungen sind davon ca.400 Übungsleiter alpin aktiv in den Vereinen tätig.


Lehrwesen Nordisch

Wie im alpinen, so wurde auch im nordischen Lehrwesen in den siebziger und achtziger Jahren viel Mühe und Engagement durch die Gau-Lehrwarte Hans Schuh und Gerhard Herzog geleistet. Die langjährige, fachtechnische Unterstützung durch Günter Anselstetter bei den Aus- und Fortbildungen darf hier nicht unerwähnt bleiben. So sind heute in den Vereinen des SVF ca. 40 ausgebildete Übungsleiter nordisch aktiv.


Tourenwesen

Das Tourenwesen wird in den 60-ziger Jahren mit viel kameradschaftlicher Beständigkeit von Fritz Lang geleitet und in den 70-iger Jahren an Walter Schmidt übertragen. In dieser Zeit werden auch im Tourenwesen die neuen Ausbildungsrichtlinien des BSV wirksam. Walter Schmidt organisiert eigene Ausbildungslehrgänge, oftmals auch in Zusammenarbeit mit anderen Gauen und bietet jährlich geführte fachqualifizierte Ski-Hochtouren unseren Vereinen an. Die Durchlässigkeit im Ausbildungssystem und Anerkennung von Ausbildungsteilen ermšglicht den Wechsel vom alpinen- zum Tourenübungsleiter. In der Folge von Walter Schmidt baut Peter Deinert im gleichen Sinne das Tourenwesen in unserem Verband weiter aus. Durch diese Arbeit stehen unseren Vereinen heute etwa 40 ausgebildete und qualifizierte Übungsleiter im Tourenwesen zur Verfügung.


Freizeitsport

In den 70-iger Jahren wird durch Oswald Schmutzer der Bereich Freizeitsport neu aufgebaut. Er bringt die Kommunikation der Vereine untereinander in Gang. Hierzu werden Fahrten für die Vorstände unserer Vereine organisiert. Bei diesen Wochenendfahrten, den sogenannten Arbeitstagungen im Schnee werden gegenseitige Erfahrungen ausgetauscht. Natürlich holt sich der SVF wichtige Informationen über Wünsche der Vereine. Daneben fördert der gemeinsame Skilauf unter Anleitung des Lehrteams die Kameradschaft und Geselligkeit. Darüber hinaus handelt Oswald Schmutzer mit Ski-Gebieten Sonderkonditionen für unsere Vereine aus und verpflichtet Werbepartner. Ein weiterer Schwerpunkt sind die von Schmutzer ins Leben gerufenen Ski-Fit-Tage, die heute als Ski-Aktiv-Woche im Stubai, zur Tradition geworden sind. Dabei handelt es sich nach der ursprünglichen Idee um ein ernsthaftes Training für Freizeitsportler. Die Mitglieder unserer Vereine werden vom Lehrteam in der aktuellen Skitechnik unterrichtet. Die gute Ausbildung ganz ohne Prüfungsstress spricht sich herum; bald nutzen auch Übungsleiteranwärter diese Gelegenheit, sich hier auf den Ausbildungslehrgang vorzubereiten. Weiterhin werden in diesem Bereich vereinsübergreifende Skiwochen in Frankreich angeboten. Diese Fahrten sollen vor allem kleineren Vereinen, die selbst keinen ganzen Bus voll bekommen, Gelegenheit geben ihren Mitgliedern eine Frankreichwoche anzubieten. Darüber hinaus hatte dieses Angebot für größere Vereine Modellcharakter. Heute fahren immer mehr Vereine selbst nach Frankreich, entsprechend gehen die Teilnehmer bei der SVF-Fahrt zurück. Als Oswald Schmutzer aus der Vorstandschaft ausscheidet, werden Dr. Kurt Langenbach und in dessen Folge Norbert Walz seine Nachfolger. Oswald Schmutzer steht heute noch dem SVF beratend und fŸr Sonderaufgaben zur Verfügung.


Nordischer Skisport

Die vergangenen 15 Jahre waren geprägt von einem großen Strukturwandel in unserer Gesellschaft und im gesamten Sportgeschehen. 1982/83 werden 16 Veranstaltungen durchgeführt; beginnend von Biathlon, Waldlauf, Skirollerrennen, Skispringen in Etzelwang bis zu den Skilangläufen. Die Beteiligung der Senioren bei der Gaumeisterschaft war mit 110 Lä,ufern und 30 Staffeln (4 Läufer je Staffel) beachtlich. Bei der Jugend- und Schülermeisterschaft waren 82 Wettkämpfer und 15 Staffeln am Ziel. Bei der Bayerischen Schülermeisterschaft waren 15 Schüler vom SVF am Start. Hier konnte Manuela Heynen den 3.Platz erringen. Bei der Deutschen Meisterschaft belegte sie den 17. Rang. Verschiedene Jugend-, Aktiven- und Senioren-Veranstaltungen schlossen sich in den nächsten Jahren an. 1986 wurde Christoph Heynen bayerischer Vize-Meister über 30 km und Marc Schmidt errang Platz 3 bei den Junioren. Im selben Jahr wurde Matthias Heynen mit der Jugendstaffel Bayern I deutscher Vize-Meister. Markus Straub errang 1987/88 bei den Bayerischen Schülermeisterschaften einen 4. und 7. Platz; Stefan Zimmermann 1988 einen 5.Platz. Beim Rollski-Mannschaftssprint wurden im gleichen Jahr Walter Köbler und Horst Schittenhelm vom DAV Wei§enburg, Vize-Europameister. Höhepunkt im nordischen Bereich war die Qualifikation von Matthias Heynen zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1989 in Lahti/Finnland. Nachdem er die Chance auf eine gute Platzierung über 30 km durch Sturz in einer Abfahrt aufgeben mußte, feierte er dann doch seinen größten persönlichen Erfolg mit Platz 25 über die 50 km Marathondistanz. Im Jahr darauf plazierte er sich beim Wasalauf über 90 km als 13., dem bis dahin besten Rang eines Deutschen. Im Laufe der 80-iger Jahre entwickelte sich das Trainingsgerät Skiroller immer mehr zu einem Wettkampfgerät. Es wurden zahlreiche Rollski-Rennen durchgeführt. Besonders viele Wettkämpfer nahmen bei dem Bergrennen in Hersbruck, bei dem Rennen in Ansbach und Rothaurach sowie beim Rollski-Cross in Lindelberg teil. Im Jahr 1988 wurde Jürgen Zimmermann von der WSG Hersbruck deutscher Jugendmeister im Rollski auf der Flach- und Bergstrecke sowie Europameister auf der Flachstrecke. Anhaltender Schneemangel erzwang manche Improvisation, doch konnten immer die Vorbereitungen und Wettkämpfe durchgeführt werden. Im Frühjahr 1991 führte mit dem sprichwörtlich "letzten Schnee" der ASV Rothenburg auf der Taubertalschanze nach über 20-jähriger Unterbrechung, vor einer Kulisse von ca. 2500 Zuschauern erstmals wieder ein Ski-Springen durch. In den letzten Jahren mussten unsere Aktiven auf Skigebiete außerhalb des Nahbereichs ausweichen, da uns der nötige Schnee fehlte. Auch im Seniorensport nahmen die Aktivitäten unserer Sportler mit Beginn der 80-iger Jahre immer mehr zu. Ihre Ambitionen wurden unterstützt von dem immer breiteren Angebot - national und international - an Seniorenwettkämpfen. Besonders erfreulich waren die Läufer Franz Michels, Herbert Pöhlmann, Werner Schütze und Oskar Straub. Sie errangen u.a. auch bei Weltmeisterschaften neben sehr guten Platzierungen auch Medaillen im Einzel- und Staffelwettbewerben.

Schlussgedanken

Der Skiverband Frankenjura mit seinen Vereinen kann auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurückblicken. Die erfolgreichen Zeiten sind vor allem auch ein Verdienst der Mitgliedsvereine und deren Aktivitäten, denn sie bestimmen das Leben im Verband. An dieser Stelle gilt es deshalb all denen, die die Arbeit des Verbandes in irgend einer Form unterstützt haben, Dank zu sagen. Ohne die zahlreichen Helfer und Förderer wäre vieles in den 75 Jahren nicht, oder nicht so abgelaufen. Wesentlich für die Entwicklung des Skiverbandes Frankenjura war dabei auch die förderliche Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden im Bayerischen Skiverband und mit diesem selbst. In den letzten Jahren hat sich trotz eines Wandels im Vereinsleben gezeigt, daß das Angebot der Vereine immer noch wichtig ist. Sicher sind ihre Veranstaltungen nicht mehr so im Mittelpunkt wie früher, das liegt an dem schier unermesslichen, kommerziellen Angebot in allen Bereichen. Nach wie vor werden insbesondere im Freizeitbereich von den Vereinen noch zahlreiche Aktivitäten erfolgreich durchgeführt. Vielfach hat der Skiverband Frankenjura hier den Grundstock gelegt und die Vereine haben die Idee übernommen. Wir wissen alle nicht wie sich der Skiverband Frankenjura mit seinen Vereinen in Zukunft weiterentwickeln wird. Dies hängt von vielen Faktoren, vor allem aber von der allgemeinen Gestaltung des Vereinslebens ab. Sicher ist aber, dass wir alle einzeln oder als Verein aufgerufen sind, zum Erfolg der kommenden Jahre beizutragen

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